Klimaschutz im Selbstversuch: es fängt harmlos an...

Dienstag, 2. November 2021

Diözesanversammlung in Schwarzenfeld

Nach einem Jahr Zwangs – Coronapause fand am 24.10.2021 in Schwarzenfeld die Diözesanversammung der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) der Diözese Regensburg statt. Passend zum aktuellen Schwerpunktthema “Leben im Wandel – wir handeln. Klima. Gesellschaft. Mensch“ war der österreichische Journalist Edmund Brandner mit seinem Vortrag „Klimaschutz im Selbstversuch“ zu Gast.

Im Konferenzteil stellte der Diözesanvorstand den Rechenschaftsbericht des „Corona-Jahres“ vor und wurde anschließend entlastet. Außerdem gab es Informationen zur Senegal-Partnerschaft und über den aktuellen Projektstand des Senegal-Projektes.

Edmund Brandner ist Lokalredakteur der Oberösterreichischen Nachrichten in Gmunden. In humorvoller, fast kabarettistischer Weise und im schönsten Oberösterreichisch erzählte er, wie er zum Vorsatz kam, ein Jahr lang seine CO2 Bilanz zu drücken, und von seinem Vorgesetzten den Auftrag erhielt, in der Zeitung darüber zu berichten. Besonders schwer fiel es ihm, im Alltag auf Fleisch zu verzichten. Er beschrieb den Spott seiner Kollegen, als er versuchte, seinen Konsum einzuschränken und beispielsweise auf ein neues Handy verzichtete, ganz entgegen dem Trend, Handys alle zwei Jahre auszutauschen.

Er beschrieb aber auch die positiven Auswirkungen des neuen Lebensstils auf sein Leben. Er habe überrascht festgestellt, dass die Lebensqualität im Großen und Ganzen steigt. Er lebe langsamer und gesünder, Genuss spiele eine größere Rolle und menschliche Beziehungen seien wichtiger geworden.

Kirchlichen Gruppen und Verbänden zollte er Respekt, da sie beim Klimaschutz und ökologischen Themen allgemein sehr engagiert sind, sich ihrer Verantwortung stellen und die Kraft haben, mit kleinen Schritten etwas zu bewegen.

Mönch statt Missionar

Brandner will nicht andere missionarisch zum Klimaschutz bekehren. Er will als Klimamönch gesehen werden, als einer, der konsequent versucht,  bezogen auf seine persönliche CO2 Bilanz enthaltsam zu leben. Denn Mönche seien Menschen, die sich ein Ziel setzen. Das schaffen sie vielleicht nicht, aber sie versuchen es.

Fünf Säulen

Mit den fünf Säulen des persönlichen Klimaschutzes kann jeder bei sich selbst anfangen: Autofahren, Verzicht auf Flugreisen, Heizen und Isolieren, Ernährung, Konsum. Beispiel Autofahren: 80 Prozent aller Autofahrten sind kürzer als zehn Kilometer und 50 Prozent kürzer als fünf Kilometer. Wer diese Strecken mit dem Rad fährt, hält sich fit und verbringt Zeit an der frischen Luft.
Die Umstellung der Ernährung ist für viele, auch für Brandner, eine Herausforderung. „Saisonal, biologisch – es fängt harmlos an. Richtig Meter kann man aber machen, wenn man beim Fleischkonsum deutlich einspart.“  Auch beim Konsumverhalten könne man viel bewirken. Das sei ganz einfach, sagt Edmund Brandner. „Das, was man nicht braucht, nicht kaufen.“
Brandner rät dazu, sich seinen persönlichen CO2 Fußabdruck auszurechnen, z. B. auf der website des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, und sich dann zu überlegen, wo man wieviel einsparen kann.

Fazit

Im Durchschnitt verursacht jeder Österreicher  oder Deutscher im Jahr elfeinhalb Tonnen CO2. Um die Klimaziele zu erreichen, also die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsste jeder auf zweieinhalb Tonnen kommen. Vor dem Selbstversuch, so Brandner, habe er mindestens 15 Tonnen im Jahr erzeugt. Im Jahr als Klimamönch waren es etwa fünf Tonnen. Damit hat er sein offizielles Ziel zwar verfehlt, zieht aber dennoch eine positive Bilanz. Denn, so Brandner, jeder könne viel mehr tun, als man meint.  Er habe seine CO2-Bilanz um zwei Drittel reduziert. Und das aus eigener Kraft, ohne Gesetzesänderung und ohne dass das Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt wurde. „Wenn jetzt auch noch Politik und Wirtschaft mitspielen, können wir das 1,5 Grad Ziel erreichen.“