KLB im Landkreis Cham besuchte das ehemalige Dorf Grafenried (Lučina)

Mittwoch, 15. Juni 2022

Landkreis Cham. Eine Exkursion zum verschwundenen Dorf Grafenried wählte die Katholische Landvolkbewegung im Landkreis Cham als Ziel letzten Sonntagnachmittag. Fast 40 interessierte KLB Mitglieder und Gäste aus dem Landkreis Cham begrüßte Luzia Wutz an der Landesgrenze zu Tschechien bei Untergrafenried. Mit dabei Landvolkpfarrer Ambros Trummer aus Lam und die Freunde der Bruder Klaus Kapelle aus Bernried. Alois Rötzer folgte gerne der Bitte um eine Führung durch die Ausgrabungsstätte in Grafenried der ehemaligen deutschen Siedlung, die seit dem Ende des 2. Weltkrieges auf tschechischem Gebiet liegt. Alois Rötzer aus Schönthal unterstützt tatkräftig die Ausgrabungen und den Erhalt der zerstörten Siedlung seit 2014 und bereits seit 2011 ist Helmut Roith aus Treffelstein am Werk die versunkenen Schätze dieser Siedlung zu heben. Rötzer erinnerte am ehemaligen Ortsrand an die Vertreibung und anschließende Zerstörung der 42 Gebäude. Nur 50 Kilo Gepäck durften die 228 Bewohner damals von ihrem Hab und Gut mitnehmen. Alles weitere musste zurückgelassen werden. Gut freigelegt sind bis jetzt das Gasthaus mit der angrenzenden Brauerei Wiesner, der Friedhof mit der Kapelle und die Kirche, welche auf deutscher wie tschechischer Seite unter Denkmalschutz stand. Trotzdem wurde sie im Jahr 1971 gesprengt und dem Erdboden gleichgemacht. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Grafenried bereits im Jahre 1282 und schon um 1700 wurde es durch veränderte Grenzziehungen Böhmen zugeschlagen um dann bei wechselnden Besitzern letztlich in bayerische Hände zu gelangen. Sehr aufschlussreich sind heute die detaillierten Hausnummernschilder mit den Namen der damaligen Besitzer und den Kindern. Hier knüpfte Alois Rötzer öfters die Bande zu den Gästen aus dem Landkreis Cham, denn so mancher hat Bekannte und sogar verwandte Angehörige, die hier in Grafenried damals als Kinder ihre Heimat hatten. So trifft das Schicksal von Grafenried so manchen heutigen Besucher doch mehr als dieser vorher gedacht hätte. In der freigelegten kleinen Kirche gab es bis 2019 jedes Jahr im September einen gemeinsamen Gottesdienst mit bayerischer und tschechischer Beteiligung. Pandemiebedingt fällt dieser heuer ebenfalls aus. Obwohl Sonntagnachmittag schuftete tatsächlich Helmut Roith in seiner „zweiten Heimat“ (Lučina) ruhig und stetig weiter an seinem Lebenswerk und beide Roith und Rötzer hoffen weiterhin, dass sich noch ein paar Idealisten finden, die um Gottes Lohn diese Arbeit weiterführen wollen, damit dieses Vermächtnis der Nachwelt erhalten bleibt. Bleibt nur ein herzliches Vergelt’s Gott zu sagen und dies tat Luzia Wutz am Ende der ausführlichen und detailreichen Führung durch das wieder aufgetauchte Grafenried. Vielen Dank sagte Wutz allen Gästen und überreichte Alois Rötzer ein Präsent und den bekannten Landwein der KLB Diözese.