Auf dem Weg zum Flughafen noch ein langer Stau
Auf dem Weg zum Flughafen noch ein langer Stau
Letzter Blick auf Dakar


Niemand hatte mehr damit gerechnet, dass der eingeplante Besuch beim Deutschen Botschafter in Dakar noch stattfinden könnte. Erst am Montag Nachmittag kam die Zustimmung, dass wir am Dienstag früh einen Gesprächstermin bekommen. Gemeinsam mit Marie-Louise Diatta, Juliette Ciss und Pascal Manga wurden wir vom stellvertretenden Botschafter Thomas Küppers begrüßt. Hauptgesprächspartner war Casjen Ohnesorge, Referent für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der an der Vorstellung der Partnerschaft und des laufenden Projektes großes Interesse zeigte. Die deutsche Bundesregierung sei auch in Zeiten knapper Finanzen daran interessiert, nachhaltige Entwicklung zu fördern.
Unsere Delegation konnte hier auf die seit fast 40 Jahren bestehende Partnerschaft verweisen, in der schon eine Reihe sehr erfolgreicher Projekte initiert und durchgeführt wurden. Deutlich wurde auch, dass die ASDI mit den lokalen Behörden und Autoritäten gut vernetzt ist und der Präfekt sowie zahlreiche Bürgermeister die Arbeit der NGO sehr schätzen und nach Kräften unterstützen.
Zudem konnte sowohl für die Arbeit in den Gärten als auch für die Imkereigenossenschaft Beispiele für umwelt- und ressourcenschonende Praxis aufgezeigt werden.
Es war ein sehr intensives und informatives Gespräch mit einem Gegenüber, der sich - wie er berichtete - nach unserer Vorstellung erinnerte, dass er vor Jahren als junger Referent im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gemeinsam mit Lothar Kleipass (ILD) in Regensburg war bei einer Projektbesprechung mit der KLB und ASDI-Vertretern.
So spannte erstaunlicherweise auch diese Gesprächsrunde einen Bogen von Regensburg in den Senegal. Wie klein die Welt oft ist!
Und dann..... Abschied von Edioungou.
Auf geht's nach Dakar!
ÖPNV in Dakar
Zum Abschluss der Reise war auch noch etwas Zeit für einen kleinen Bummel und Einkauf in einem Kunsthandwerkerdorf
So sieht er aus, der Preis für den 1. Platz, mit dem die Imkereigenossenschaft in der Casamance ausgezeichnet wurde - herzlichen Glückwunsch!
Während hierzulande Outdoor-Küchen eher die Ausnahme sind, ist das im Senegal wie in den meisten afrikanischen Ländern Alltag. Es geht hoch her in der Küche unter freiem Himmel, um die Besucher in Teamarbeit zu versorgen.
Es geht allmählich dem Ende der Reise zu... da werden nochmal Gruppenbilder mit ASDI, ILD und KLB Regensburg gemacht - mit lächelnden Gesichtern, die von den vielen schönen, beeindruckenden und manchmal auch herausfordernden Erlebnissen und Begegnungen der letzten Tage zeugen.
Wir sitzen schon wieder vor einem König - Spoiler: er wird uns nachher seine Visitenkarte in die Hand drücken. Ich hab die Telefonnummer eines Königs!
Der Nachbarkönig (ziemlich buchstäblich: die Residenzen sind nur etwa zwei Kilometer auseinander) zum Roi du Oussouye sitzt in Calobone und heißt Koudiossobo Diatta.
Kurzeinschub: in Calombone ist auch ein ASDI-Garten der ersten Generation, in dem die Frauen wg. Schwierigkeiten mit Zaun etc. zur Zeit nicht arbeiten. Roger kümmert sich darum, Frauen in die Kurse des laufenden Projekts zu bringen.
Der Maan („Hoheit“) ist hier aber gar nicht so herrschaftlich: „der neue Präsident Senegals war hier, aber ich empfange auch immer einen Menschen, wir sind alle gleich“. Nach einer königslosen Zeit von zehn Jahren hat er in den knapp zwei Jahren seiner Amtszeit eine ziemlich Dynamik entfaltet: für Soziales, Bildung, Umwelt, Kommunikation (er war erst Lehrer und dann Journalist…) u. a. hat er Komitees gegründet. Er will sich beraten, diskutieren und nicht allein entscheiden. Im Schulbereich hat er erst ein Prämienprogramm für gute SchülerInnen ins Leben gerufen. Danach aber auch ein Förderprogramm für die je zehn letzten einer Klasse - denn die Kinder haben oft nicht die Voraussetzungen, um gut zu lernen. „Wir haben unser Bildungszentrum so gestaltet, dass die Kinder von selber bleiben wollen, lernen soll Spaß machen“. Es gibt auch ein Programm, bei dem SchülerInnen in praktische Bereiche hineinschnuppern können: Schreinern, Metallarbeiten, Töpfern, Landwirtschaft, Schneiderei… „Vielleicht ist für einen die Schule nicht das richtige und das Talent liegt woanders. Das müssen wir fördern, die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft.“
Der König engagiert sich auch im Bereich Umwelt und bringt als erstes Projekt den Bois Sacre - fünf Hektar - wieder in einen guten Zustand. Dazu hat nach den Anfängen eine Hilfsorganisation Unterstützung zugesagt. „Wir müssen beten, zusammen überlegen und anpacken, nicht einfach sitzenbleiben, dann wird uns auch Hilfe gegeben“. Wie wir ist er überzeugt, dass die Frauen der Schlüssel zu einer guten Entwicklung sind. „Ich könnte noch den ganzen Tag erzählen, was gut wäre und womit wir nun anfangen.“ Und wir freuen uns den ganzen Tag über diese schöne Begegnung, die Hoffnung gibt. Wir sind auch im Senegal nicht allein…
Wir sind jetzt schon ein paar Tage hier und das tiefere Nachdenken über Gesehenes und Gehörtes setzt ein.
Am Mittwoch haben wir Crépin, Innocence und Marcel (Foto v.l.n.r.) getroffen. „Letztes Jahr war Innocence da, mit zerrissener Jeans und Basecap, ready to work und tauchte überall auf, wo wir waren“ erzählte uns Georg Wahl (ILD). Dienstag managte sie das Treffen im ASDI-Zentrum mit - im Business-Outfit (heißt was im Senegal) und Mittwoch war sie mit der Delegation ganz leger draußen. Bitte nicht falsch verstehen,es geht nicht darum, Frauen auf ihr Aussehen zu reduzieren, sondern es wird deutlich: diese jungen sind Multitalente. Innocence hat Viehzucht studiert und sich danach nicht in eine Lehr- oder Beamtentätigkeit drängen lassen. Sie wollte Unternehmerin werden. Sie wollte nicht nach Dakar, sondern dorthin, wo sie herkam: auf‘s Land. Sie wollte nicht in der zweiten Reihe stehen, sondern hat sich national einen Ruf als Imkereiexpertin erworben und gibt Kurse landesweit. Und sie gibt ihr Herzblut für das Weiterkommen einer solidarischen Gemeinschaft: der Imkereigenossenschaft von ASDI.
Crépin kommt ganz lässig auf seinem Motorrad an - in seinem weißen Imkeroverall. Das ist es wieder, das Thema Kleidung. Er berichtete, dass er sich - neben seiner „normalen“ Arbeit - eine Existenz als Imker aufbauen wollte. Nur hatte er nichts davon, weil er an die falschen Leute geriet. Aber er ist wieder aufgestanden. Wenn ich richtig die Untertöne bei Etienne deute, war er einer der Typen, die auch leicht nervig sind: immer da mit Konzentration und der nächsten Frage und der nächsten Frage, die schon viel weiter denken und die Trainer an den Rand ihres Expertentums bringen und vorantreiben. Und jetzt ist er für einen der Bezirke als Ansprechpartner, sogenannter „relai“ verantwortlich. Ihn rufen die ImkerInnen zuerst an, wenn sie nicht weiterkommen, ein konkretes Problem da ist oder die Bienenarbeit überfordert - vermutlich zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Und Marcel? Er ist Assistent eines anderen relai, viel mehr ist nicht bekannt. Er trägt einen Zopf und einen Hipsterbart, Verhalten und Kleidung: alles ganz cool. Aber Tags zuvor war er da mit sechs, sieben Leuten am ASDI-Haus, hat mit Bienenstöcke geschleppt und verladen und man hat gesehen: da arbeitet ein Team.
Diese junge Generation lässt viel erwarten.
Wir waren wieder auf der Straße. Der Weg nach Enampore: erst auf der Hauptstraße. Als wir 2020 hier waren, war sie neu. „Schlecht gebaut“, meint Madou, der Fahrer von Pascal. Warum verkommt eine neue Schnellstraße in fünf Jahren zu einem Schlaglochparadies, bei dem an manchen Stellen am Rand ein Stück Asphalt angefügt wurde, weil man einfach nicht mehr weit genug innen fahren kann? Und es schließen sich gefühlt 20 Kilometer ziegelrote, breite, staubige Erdpiste an. Es geht mal in eine Kuhle einen Meter tief, dann an langen harten Rinnen entlang, auch hier beunruhigend steile Schlaglöcher inklusive. Die Breite der Piste nützt nichts, es zeichnet sich eine Spur vieler Reifen im Slalom ab, die die noch am besten befahrbaren Stellen verbindet. Und hier herrscht auch Verkehr - es ist die einzige Verbindung in diese Gegend. Pascal erzählt abends, früher hätte es hier gar keine Straße gegeben. Neben der Straße wurde die Wasserleitung erneuert, der Graben mehr oder weniger provisorisch zugeschüttet, die alten Rohre blieben liegen. Oder dass wirklich überall Müll, vor allem Plastik, liegt, überall. Warum stören sich wenige dran und kümmern sich noch weniger darum, dass es anders wird?
Und dann wieder: wie, ja, liebevoll die Frauen in manchen Gärten arbeiten, die Beete anlegen und sich um die Pflänzchen kümmern. Wie man alles dran legt, Dinge schön zu machen - Bettgestelle schnitzt man, die üblichen maß- und handgefertigten Eisentore haben immer eine Designidee eingebaut. An vielen Wänden gibt es unzählige Wandmalereien aller Größen: Köpfe, Personen, Gegenstände und bunte Schriften. Sie sind Werbung, zeigen Verehrung, erinnern an Vorbilder, geben Informationen oder sind einfach Schmuck - gut, viele Dinge lässt man auch wieder - achtlos? - verkommen. Auffallend ist, dass fast alle sich individuell, achtsam, sorgfältig kleiden, für europäische Augen originell und manchmal ein bisschen zu phantasievoll - aber hier gehört das her.
Und die Freude, wenn man sich (wieder-) begegnet oder einfach zusammen sein kann. Und ständig kommuniziert: redet, ratscht, diskutiert, fragt und erklärt, kommentiert, lacht, singt…
...kurz vor dem Start am Morgen... Kleinbus weiß wurde schon getauscht in Kleinbus blau
Afrika vor der Kolonisation: überall gab es Königreiche, die ganz eng mit der Naturreligion zusammenhängen. Im Senegal hat die Bevölkerung die Königreiche über die Kolonialzeit hinübergerettet. Heute haben wir Audienz beim König von Oussouye (mittig, in rot gekleidet). „Das Besondere hier ist, dass wir keinen ‚roi du guerre’ haben, sondern eine ‚roi du pace‘. Woanders führen die Herrscher Kriege, hier sind sie dafür da, den Frieden zu sichern“, erklärt der Minister des Königs. Die Dörfer selber haben sich eine übergeordnete Instanz geschaffen, um ihre Konflikte zu lösen.
Und wenn einzelne Personen streiten, wird das auch vor und mit dem König verhandelt.
Ein schlaues System verhindert zudem dynastische Rivalitäten: kein Prinz wird direkt nach seinem Vater König. Ins Amt wird jemand aus fünf Familien berufen, die „königsfähig“ sind. Es kann also vorkommen, dass es hundert Jahre dauert, bis die gleiche Familie wieder dran ist. „Die Berufung eines Königs ist etwas mystisch“, sagt der Minister, Geister und Ahnen spielen eine Rolle, „derjenige aber, was und wo er auch sei, wird das spüren“.
Eine besondere Aufgabe kommt dem König bei der Sicherung der Ernährung zu: in seinem Bereich soll niemand hungern. Deshalb ist jemand, der auf der Straße bettelt, ganz sicher kein Diola, sondern fremd hier. Leidet jemand Not, wendet er sich an den König. Direkt und anonym, ohne, dass es jemand mitbekommt, wird ein Prinz oder eine Prinzessin ihm das geehrte Grundnahrungsmittel Reis geben. Die Reserven für diese Hilfen kommen von Reisfeldern, die der König als Gabe nutzen darf und die seine Leute bewirtschaften.
Letztlich ist der König auch der Beschützer der Umwelt, dazu gibt es z. B. Betretungsverbote für den Bois sacre, die heiligen Wälder. Und auch sonst wird das Leben hochgehalten: Gewalt und Töten ist selbstverständlich verboten, aber es wird auch kein Diola je Reis stehlen, sei er auf dem Feld oder anderswo.
Der König fragt uns auch nach Hilfen für die jungen Menschen auf dem Dorf. Ja, unser Augenmerk liegt schon darauf…
Wenn in den Dörfern nicht die ganze Fläche des Gartens mit Gemüse bepflanzt werden kann, ist die Methode der Wahl oft der Lohnanbau von Mais. Hier in Boutikingo ist das seit langen neun Jahren der Fall. Heuer hat der Lohngeber verlangt, die Seite des Gartens zu wechseln. Und jetzt sehen die Frauen selber: die Erde ist aus dem ehemaligen Maisfeld nicht mehr so fruchtbar. Der neue landwirtschaftliche Berater Molinse: „dieser Maisanbau ist ein Krieg gegen den Boden, die wöchentliche Spritzung mit Pestiziden in der Vegetationszeit schadet euch und euren Kindern direkt und ihr verseucht euer Wasser“.
Diese Praxis war uns immer schon unbehaglich und wir haben schon öfter vermutet, dass die Frauen dabei finanziell über den Tisch gezogen werden.
Der Anbau widerspricht dem Grundgedanken der Gärten, für die Frauen und Familien die Ernährung und die Gesundheit zu verbessern und muss aufhören - da sind die jetzige ASDI-Equipe und wir von der KLB einig.
Rund 100 Frauen gehören zum Garten von Boutikingo - normalerweise, denn derzeit läuft die Erdnussernte, daher sind momentan nur wenige da.
Eigentlich war ein ganzer Nachmittag hier „am Cap“ geplant, wegen der Arbeit (und des guten Essens von Marie-Louise) sind es jetzt nur wenige Stunden…
Wir genießen die Sonne, das Rauschen der Atlantikwellen und den sanften Wind. Der Sonnenuntergang ist traumhaft.
A demain les visites et les discussions - Arbeit erst morgen wieder
Wir haben bei der Anreise schon er“fahren“, dass Autos nicht das ideale Reisemittel sind. Einen Satz kann man sich hier abgewöhnen: „Da kann man nicht fahren!“. Eingepfercht zu vierzehnt (!) sitzen wir im Kleinbus. Auf der „Straße“ fährt Jean-Baptiste manchmal lange Abschnitte links (!) neben (!) der Fahrbahn, weil auf dieser einfach zu viele Schlaglöcher sind.
Ein Slalom, der trotzdem gut auf das Steißbein geht. Und wenn es dann runter geht von der Straße - siehe Foto rechts. Und heute passiert es uns: der völlig heruntergefahrene Bus schafft es auf einer Lehmpiste nicht über eine hohe Stufe und eine Wurzel… stinkend und rauchend ist hier erstmal Endstation. Die afrikanische Improvisationskunst lässt uns das Programm für heute aber beenden - total verspätet, aber doch.
Unser Bus kurz vor seinem Ende
Früher hatten wir den Eindruck, vom Präfekten mehr oder weniger elegant links liegen gelassen zu werden. Er ist der Repräsentant der Regierung in der Region, also kein gewählter Volksvertreter. Jetzt wird das anders, er sitzt mit uns, ASDI und ILD am Tisch und nimmt uns ernst. Er hat seinen Stellvertreter und seine Experten für Forst, für Landwirtschaft und Familie mit dabei. Konkrete Maßnahmen wurden weniger besprochen, aber es scheint einfacher zu werden, gegenseitig Vorstellungen zu teilen. Marie-Louise sagt: „er hört seiner Bevölkerung zu“. Im Schlusswort sagt der Präfekt: „wir werden uns gegenseitig unterstützen, denn es ist auch Aufgabe des Staates, den Leuten bei der Entwicklung zu helfen“.
Ein bisschen überrollt uns das Thema Wasser. Im Garten von Carounate, wo wir gestern waren, wurden von einer „fremden“ Organisation Solarplatten installiert, die aber nicht richtig funktionieren - und keiner ist zuständig. Im Garten von Senghalene gibt es ebenso Solarstrom, die Frauen beklagen sich aber, dass die Leistung manchmal zu schlecht ist, um die Bassins. Auch da - niemand zuständig. Im Garten von Kagnoute liegt ein großer Eisenturm am Versammlungsplatz, daneben ein Gestell mit Solarzellen und am Eingang ein großer schwarzer Wassertank. Der Bürgermeister habe das machen lassen, erzählen die Frauen. Was da draus genau werden soll, wurde den Frauen nicht gesagt. Die ASDI-Verantwortlichen werden beim „maire“ mal nachfragen. So stehen Dinge herum, es gibt halbe, unausgegorene Lösungen und niemand ist wirklich zufrieden bisher. Georg bringt in der Runde ein: „Hilfreich wäre, in der Region zu schauen, wo es gut funktionierende Bewässerungssysteme gibt, um sich daran zu orientieren."
Die Gartenfrauen von Senghalen begrüßen die Besucher mit Gesang und Tanz
Wir steuern durch den Vormittag im CEDAF. Marie-Louise, ASDI-Vorsitzende, leitet dieses Haus, in dem Frauen Unterstützung finden können. Zwei Meilensteine werden in dieser heißen Diskussion gelegt: die Frauen finden es notwendig, die Gartengemeinschaften zu einer Dach-Kooperative zusammen zu schließen, daraus können sich viele Chancen ergeben, z. B. als Ansprechpartner für die Regierung. Und: es soll nach einer technischen Lösung für das Wasserproblem gesucht werden, aber - aufgemerkt - in Einheit mit landbaulichen Maßnahmen, um Errosion zu verhindern, die Bodenfruchtbarkeit zu fördern und vor allem, die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Das ist eine Mentalitätswende, und in einem weiteren Bereich, dem biologisch-ökologischen, wird vorangetrieben, was im Namen ASDI steht: Development Integre - integrierte, umfassende Entwicklung.
Große Projektbesprechung mit ASDI/ILD/KLB Regensburg
Die Zukunft schmecken - das können wir heute. Bei den Bienenstöcken, die die Imkergenossenschaft als Praxislehrobjekt und „Honigreserve“ aufgestellt haben, treffen wir Innocence, Crepin, Marcel und Jean-Louis. Alle zwischen zwanzig und dreißig, alle Experten - Innocence sogar stark gefragt auf nationaler Ebene. Alle hochmotiviert und engagiert. Alle mit Führungspositionen in der Imkergenossenschaft SCADO: als Fortbildungsreferentin und Organisatorin, als „Relai“, Verbindungsperson und Ansprechpartner eines Bezirkes oder in dessen Team als Assistent. ASDI-Vorsitzender Etienne: „Sie wollen soviel wissen, kapieren so schnell, haben Ideen und Ziele und packen an, um das Projekt weiter zu bringen“. Und ansteckend fröhlich sind sie auch!
Darauf wären wir gar nicht gekommen: Oussouye, der Ort, in dem das ASDI-Haus steht, hat sich weihnachtsfein gemacht. Der Kreisverkehr im Zentrum scheint sein Lichterkleid auch nicht so schnell ablegen zu wollen. Da schlägt sie durch, die Freude der Senegalesen für Farbe und Glitzer. Wer es mag… :)
Le Miel - der Honig stellt Ansprüche. Bisher haben die ImkerInnen sehr gute Qualität abgeliefert und die Organisation steht stabil. Jetzt legen zuständige Stellen die Latte noch etwas höher. Das Haus zur Honigverarbeitung funktioniert so: an einer Seite beginnt der Produktionsprozess, auf der anderen Seite kommen schließlich volle Honiggläser raus. Nun dürfen ImkerInnen und Rohhonig nicht mehr durch die selbe Eingangsschleuse in das Haus. Die Konsequenz sind Bauarbeiten. Sobald die Genehmigung da ist, muss es losgehen…
Wir gehen in einen Frauengarten und zwar als ersten dieser Reise im Dorf Carounate. Auch die Frauen haben Gründe wieder in den Garten zu gehen: neu ist der Zaun und neu das Dach des Versammlungspavillons. Viel bessere Voraussetzungen mit Folgen: was vor einem Jahr noch Brache war ist jetzt grün. Aber noch wird ein großer Teil des Gartens nicht wieder bestellt. Eine ganz dringende Frage, nicht nur für diesen Garten: wie schaffen wir in Zukunft genug Wasser für die Pflanzungen? Sinnvolle Lösungen sind noch nicht wirklich in Sicht. Wir werden weiter nachdenken und diskutieren. Für heute geht die Sonne in mildem Licht unter.
Im Carounate-Garten war viel zu tun, nachdem im Februar 2025 die Zäune erneuert wurden. Rund 1/3 der 38 ha sind inzwischen wieder genutzt. Teile sind erst vor kurzem entbuscht worden (abgebrannt), nun werden Beete angelegt.
Besuch bei Kalambenoo. Die genossenschaftliche Bank geht auf eine Initiative von ASDI zurück und hat ca. 1000 Mitglieder bzw. Kunden. Links Geschäftsführerin Adrianne Diatta.
Mittags gibt es Thieboudienne, das Nationalgericht mit viel Reis, Fisch und verschiedenem Gemüse. Es wird gemeinsam von der Platte gegessen.
Senegalreisende sind unterwegs nach Afrika
Gut in Lissabon, dem Zwischenstopp, angekommen sind unsere fünf Mitglieder der KLB-Reisegruppe, die am Sonntagmittag vom Münchner Flughafen Richtung Dakar geflogen sind: Die Vorstandsvorsitzenden Christine Reitinger, Max Hastreiter und Maria Reitinger sowie die Mitglieder des Regensburger Arbeitskreises Senegal Elisabeth Gaßner und Klaus Hirn. Auf dem Flughafen trafen sie dann mit Georg Wahl, Barbara Wild (ILD) und Margot Ciss (senegalesische Dolmetscherin) zusammen, sh. Foto.
Mit dem Auto geht die Fahrt dann weiter vom Norden Senegals über Land bis in den tiefsten Süden, nämlich in die Diözese Ziguinchor, die noch südlich von Gambia liegt. Auf dem Programm stehen u. a. Treffen mit Imkern im neuen Imkereigebäude in Oussouye, Besichtigung von neu eingezäunten Gemüsegärten für Frauen, Besuch bei der Genossenschaftsbank KALAMBENOO und Treffen mit dem neuen Bischof von Ziguinchor sowie dem Deutschen Botschafter in Dakar.
Besonders wichtig für die KLB sind Gespräche über Erfolge und Schwierigkeiten des laufenden BMZ-Projektes Imkerei- und Gartenbau. Die Reiseteilnehmer werden dazu viele Gespräche mit dem neugewählten ASDI-Team führen. Und mit Georg Wahl und Barbara Wild vom Internationalen Ländlichen Entwicklungs-Dienst der KLB (ILD), die zeitgleich in den Senegal gereist sind und bei den meisten Besichtigungsterminen und Gesprächen ebenfalls dabei sein werden. Die Übersetzungsarbeit hat dankenswerter Weise wieder Margot Ciss übernommen.
Eine spannende, sicherlich auch anstrengende und hoffentlich erfolgreiche Reise liegt vor unseren Leuten. Und wir werden weiterhin aktuell berichten!
Logistik: acht Leute aus der Oberpfalz, aus Köln und aus dem Saarland so in die Casamance bringen, dass wir am Montag mit unseren Freunden das Programm starten können. Und dann: Turbulenzen beim Flug über die Pyrenäen. In Lissabon schließlich nach sechs Stunden warten verspätet im Sturm erneut starten und noch viel stärker und länger durchgeschüttelt werden.
Aber endlich im Senegal - mitten in der Nacht… Und die Autofahrt bis nach Edioungou dauert dann elf Stunden Dank unzähliger Polizei-, Gendarmeriekontrollen und kompliziertem Grenzübertritt nach Gambia und aus Gambia heraus Richtung Süden. Max: „so dramatisch war unsere Anreise noch nie!“ Das Abenteuer hat schon begonnen!
Endlich sitzen wir auf der Veranda des Campement „Darsalam“. Ein Nebenarm des Casamanceflusses ein paar Meter weiter, es ist so friedlich hier und wir sind froh uns zu sehen: die alte und die neue Equipe unseres Partners ASDI, Georg und Barbara vom KLB-Projektdienst ILD und fünf „Regensburger“. Wir gehören zusammen, sind etwas aufgeregt und auch ein bisschen gerührt. Pascal Manga erinnert an sein Bild vom letzten Besuch: Freunde wählt man, und man sieht sich nicht nur an, man schaut miteinander in dieselbe Richtung - und engagiert sich für das gemeinsame Ziel, die gemeinsame Arbeit. Die Tage zusammen bringen uns da sicher voran.
Adrian ist „Chef“ in Edioungou seit 2004. Und weil der Chef wissen soll, was in seinem „village“ vorgeht, kommen wir am Morgen und setzen uns unter den Zitrusbaum in seinem Hof. Für die Themen und Aufgaben teilen sich die Bewohner des Dorfes die Verantwortung. Absolutes Topthema zur Zeit: die bokut für das Initiationsfest. In dieser Vorbereitungszeit wird das für die Dorfgemeinschaft größtdenkbare Ereignis vorbereitet. Schon jetzt gibt es auf dem Dorfplatz jeden Samstag traditionellen Tanz und Knallerei. Diese Riten und Feiern zur Einführung in die Ahnenkultur haben inzwischen große zeitliche Abstände - und alle Nicht-Initierten versammeln sich aus allen Weltgegenden im Dorf. Kein Wunder, dass alle beschäftigt und aufgeregt und gespannt sind…
Bischöfe wechseln, die Partnerschaft ASDI - KLB bleibt. Wir sind zu Besuch bei Bischof Jean-Baptiste Valter Manga, seit eineinhalb Jahren in Ziguinchor- und wir müssen nicht erklären, was wir tun. Die Mutter des Bischofs war zusammen mit Juliette Ciss in der Jugendarbeit und der Bischof als Jugendlicher mit dabei, als seine Mutter als Verantwortliche für den Frauengarten in Carounate am ersten KLB-Projekt mitarbeitete. Bingo! Der Bischof bedankt sich für den Besuch mit der langen Reise und findet die Arbeit mit den Menschen im ländlichen Raum sehr wichtig. „Wir dürfen nicht vergessen, wir waren Konfliktregion. Viele Liegenschaften Richtung Bignona sind nicht bewirtschaftet und nun Wald und die jüngere Generation weiß nicht mehr, wie Äcker bestellt werden“, so der Bischof. Wie schon öfter in Gesprächen in den Jahren vorher hätte auch er die Idee, eine Partnerschaft zwischen den Diözesen Regensburg und Ziguinchor zu initieren. Dazu können wir vielleicht bei Kontakten helfen, machen muss das aber Bischof Rudolf. P.S.: mit dabei war auch Abbe Fulgence Coly, den wir auch schon Jahrzehnte kennen und der oft in Bayern ist. Er ist für den Bereich des Sozialen in der Pastoral in der Diözese Zuguinchor zuständig.