Mit dem Fahrrad nach Flüeli gepilgert

31.08.2025 | KLB-Diözesanverband, KLB-Kreisverband Cham

„Radpilgern zu den Bruder-Klaus-Stätten nach Flüeli in der Zentralschweiz“ hatte die Katholische Landvolkbewegung (KLB) in der Diözese Regensburg und der Kreisverband Cham die außergewöhnliche Reise überschrieben, die schon seit über 20 Jahren im zwei- bis dreijährigen Turnus durchgeführt wird. 22 Radler legten 600 Kilometer in sieben Tagen zurück, die geprägt waren von großer Gemeinschaft, toller Strecke und schönen Orten. Zusammen mit neun weiteren Personen, die mit dem Reisebus nachgekommen waren, tauchten sie am Ziel ein in die besondere Atmosphäre des kleinen Ortes Flüeli, in dem der Hl. Nikolaus, Patron der KLJB und KLB und Friedensheilige der Schweiz, vor über 600 Jahren lebte und wirkte.

Zum dritten Mal nach 2019 und 2022 startete die Radwallfahrt an der Bruder-Klaus-Kapelle der KLJB/KLB Kreis Cham in Bernried bei Rötz nach einem kurzen Morgenimpuls und am ersten Tag begleitet vom KLB-Kreisseelsorger Pfarrer i.R. Ambros Trummer. Die Teilnehmer kamen aus den Landkreisen Cham, Schwandorf, Amberg, Regensburg, Neustadt/Waldnaab und dem Nürnberger Land. An den ersten beiden Tagen waren mit jeweils 105 Kilometern die längsten Etappen zu bewältigen. Kein Problem für alle, die mit dem E-Bike unterwegs waren, aber auch drei sehr sportliche 70plus-Senioren schafften die ganzen sieben Tage mit ihrem normalen Fahrrad. Mit einem Navi mit dem Streckenverlauf am Lenker führte Elisabeth Gaßner zum wiederholten Male die Radgruppe sicher und souverän auf schönen Radwegen und Nebenstrecken täglich ans Ziel zu den reservierten Quartieren. Max Hastreiter hatte morgens vor dem Start immer passende Impulse, Gedanken und Lieder aus dem Wallfahrer-Heft vorbereitet, Gerhard Gruber und einige Teilnehmer sorgten für die Sicherheit der Gruppe auf der Straße, Anita Hastreiter und Marietta Hutter fuhren abwechselnd den Begleitsprinter, in dessen speziellem Innenausbau sämtliches Gepäck, Verpflegung und Bierzeltgarnituren für die Brotzeit verstaut werden konnten.

Süddeutschland durchquert

Bei herrlichem und etwas heißem Sommerwetter Mitte August führte die Tour durch die Landkreise Regensburg, Kelheim, durch das Hopfenanbaugebiet Hallertau über Odelzhausen nach Bad Wörishofen ins schwäbische Unterallgäu. Am Maria-Himmelfahrtstag erreichte die Gruppe noch während des Festgottesdienstes die mächtige Basilika in Ottobeuren. In der ruhigen Bruder-Klaus-Krypta im Untergrund fand man bei einer eigenen Andacht Stille, Ruhe und neue Kraft.

Weiter durch den Landkreis Landsberg am Lech, warteten nach einer Badepause im Leutkirchener Stadtweiher bereits die privaten Quartiergeber in Kißlegg im Allgäu auf ihre Gäste, denn hier wird die Gruppe schon seit Jahrzehnten privat untergebracht. Am nächsten Morgen wurden die Radfahrer von einem starken Gewitter geweckt, doch bei der gemeinsamen Abfahrt am Stadtplatz nieselte es nur noch leicht für eine kurze Zeit. Dies waren auch schon die einzigen Regentropfen in den neun Tagen der Pilgerreise, bei der die Radler jede Gelegenheit nutzten zum kurzen Baden oder Kneippen.

In Friedrichshafen schipperte die Gruppe mit dem Schiff über den Bodensee und legte im schweizerischen Romanshorn wieder an. In der Stadt Wil bezog man Quartier im beeindruckenden Hotel eines Autohändlers und nach dem Abendessen war noch Zeit für einen Spaziergang über den wunderschönen historischen Stadtplatz zur Open-Air-Bühne, um noch den letzten Titel eines Klassik-Konzerts lauschen zu können.

Den Zürichsee überquerte die Gruppe über die Brücke bei Rapperswil, wo am anderen Ufer bereits der Berg Etzel grüßte, der schwerste Teil der Etappe, ging es doch hier in sechs Kilometern über 500 Höhenmeter bergauf. Am Ziel wurden alle mit einem herrlichen Rundblick über die Schweizer Berge belohnt. Wieder hinunter, am Sihlsee vorbei, erreichte man das Quartier in Einsiedeln, das von der prachtvollen und riesigen Benediktiner-Klosteranlage dominiert wird.

Am siebten Tag der Radtour ging es nach einer weiteren Fährfahrt bei Gersau über den Vierwaldstätter See und die 22 Radfahrer stärkten sich bei einer Bade- und Brotzeitpause für den letzten Anstieg mit Zieleinfahrt in Flüeli. Dort wurden sie am Nachmittag nach 605 Kilometern emotional und freudig mit einer Regendusche von den 9 weiteren Pilgern empfangen, die bereits einen Tag vorher mit einem großen Reisebus eingetroffen waren und die Radler im eindrucksvollen Jugendstilhotel „Paxmontana“ begrüßen konnten, das in grandioser Lage auf eine fast 130-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Eintauchen in die Geschichte

Am selben Abend noch suchten alle den Weg „in den Ranft“, wo es in 10 Minuten vom Dorfplatz entfernt steil hinunter geht in die Schlucht des Melcha-Flusses, wo Bruder Klaus im 15. Jahrhundert unweit seiner Familie in einer kleinen Klause lebte und wirkte. In der kleinen Marienkapelle neben der Zelle des Heiligen feierte die Gruppe eine gemeinsame Andacht mit Pfarrer Ambros Trummer und vielen von Barbara Zwicknagl auf der Gitarre begleiteten Liedern. KLB-Diözesanvorsitzender Max Hastreiter versäumte es nicht, allen, die sich bei der Vorbereitung und Durchführung der Reise so intensiv beteiligt hatten, mit kleinen Aufmerksamkeiten zu danken, besonders bei Elisabeth Gaßner, die die Hauptverantwortung für die Streckenführung inne hatte und alle sicher ans Ziel leitete.

Den nächsten Tag gab es viele Angebote, den Spuren von Bruder Klaus und seiner Frau Dorothee im Dorf und der Umgebung zu folgen. Im Geburts- und im Wohnhaus in Flüeli – sie zählen zu den ältesten Häusern des Landes – konnte ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden, wie Klaus und seine Familie lebten und arbeiteten. Elisabeth Gaßner führte die Gruppe auf dem „Weg der Visionen“ von Flüeli hinunter nach Sachseln, innehaltend an sechs großen und besonders kunstvoll gestalteten Metallplastiken, die die überlieferten Erscheinungen des Nikolaus von Flüe darstellen und zur Meditation einluden. In der Pfarrkirche wurde das Grab und die Pilgerkutte des Heiligen besucht und auch eine Führung im eindrucksvoll und informativ gestalteten Museum stand auf dem Programm. Auch für ein Baden im Sarnersee war noch Zeit.

Gerhard Gruber lud ein auf die 1309 m hoch gelegene Einödkapelle „Chlisterli“, an die sich Bruder Klaus zunächst zurück gezogen hatte. Einige engagierte Sportler schwangen sich nochmals auf ihr Rad um die Strecke bis zur Stöckalp auf 1080 m hochzufahren, andere bevorzugten die Busfahrt, um dann gemeinsam den restlichen Weg zur Kapelle zu wandern und die Sonnenstrahlen und die herrliche Bergwelt zu genießen.

Am Abreisetag feierte man in der Ranft gemeinsam Gottesdienst, diesmal in der Unteren Ranft-Kapelle, Dort konnte man sich nochmal einlassen auf diesen Heiligen, dessen Leben nicht leicht zu verstehen ist, eine Brücke schlagen zum eigenen Leben und Anregung, Ermutigung und Frieden finden. Die Gruppe der Rad- und Buswallfahrt hat dies erfahren können und die verbindende Gemeinschaft gespürt, die in neun Tagen gewachsen war, auch unter Menschen, die sich vor der Reise noch nicht kannten.

Umstrittener Schweizer Nationalheiliger

Was macht dieses Dorf Flüeli, das auf einer Hochebene 4 km oberhalb von Sachseln am Sarnersee liegt, so besonders? Es war Lebens- und Wirkungsort des Nikolaus von Flüe, der 1417 hier geboren wurde, eine Familie mit zehn Kindern hatte, einen großen Bauernhof bewirtschaftete, in Dorf, Land und Gesellschaft Verantwortung als Politiker und Ratsherr übernommen hatte. Nach jahrelangem Ringen, Suchen und Beten und dem Einverständnis seiner Frau Dorothee verließ er mit 50 Jahren alles, was sein Leben vorher ausgemacht hatte, kehrte nach zwei Jahren Umherirren zurück in die Gegend und lebte fortan fastend ohne Nahrung als „Bruder Klaus“ im Ranft in einer kleinen Hütte nur wenige hundert Meter von seiner Familie entfernt. Er wurde zum vielbesuchten Ratgeber, Vermittler und Friedensstifter. Sein Rat verhinderte einen Bürgerkrieg zwischen den Eidgenossen und seit dieser Zeit wurde die Schweiz in keinen Krieg mehr verwickelt. Die Verehrung - er gilt als Nationalheiliger der Schweiz - überdauerte Jahrhunderte. Dennoch war er lange Zeit wegen des Verlassens seiner Familie umstritten und wurde erst 1947 heiliggesprochen. 1951 erwählte ihn die Landjugend und das Landvolk als ihren Patron.

Marietta Hutter